Die eigene Website (2009)

Vorgeschichte

Als IT-Dienstleister mit Schwerpunkt im Bereich Web und Content-Management müssen wir eine eigene Website haben. In diesem Punkt waren Sandra und ich uns seit sehr langer Zeit einig.

Wir würden das Thema „eigene Website“ angehen, sobald Zeit für dieses Projekt vorhanden ist – im Klartext: „Sobald die Projekte unserer Kunden es zulassen“. In diesem Zusammenhang würden wir das Thema „Branding“ und „Corporate Identitiy“ gleich mit „erschlagen“. Es ist sicherlich überflüssig an dieser Stelle zu erwähnen, dass nie Zeit „über“ war …

Bedingt durch die Kundenprojekte und unser „reales“ Leben wurde das Projekt immer wieder verschoben. Mit der Geburt unseres Sohnes entschieden wir uns, dass ich zwei Monate Elternzeit nehmen werde und mich in dieser Zeit intensiv um die Familie kümmere. Ich war mir unsicher, wie unsere Kunden auf meine Entscheidung reagieren und war sehr positiv überrascht, denn überall traf ich auf vollstes Verständnis und Rücksichtnahme.

Zu Beginn des zweiten Monats Elternzeit wurde uns klar, dass dieser Monat die vorerst einzige Möglichkeit sein wird mit dem Projekt „eigene Website“ nennenswerte Fortschritte zu machen. Mitte Februar 2009 ging es „endlich“ los. Gearbeitet haben wir meist abends / nachts nachdem der Kleine ins Bettchen gebracht wurde oder wenn er tagsüber schlief – was eher die Ausnahme bleiben sollte.

Konzeption

Vor der eigentlichen Konzeption prüften wir unsere Rahmenbedingungen. Unter anderem identifizierten wir dabei:

  1. Zeit – wir müssen innerhalb eines Monats (zumindest „fast“) fertig werden, ansonsten stagniert das Projekt und muss gegenüber den Kundenprojekten zurückgestellt werden.
  2. Redaktionelle Aufwände – müssen im späteren Betrieb „überschaubar“ bleiben.
  3. Design – nicht unsere Kernkompetenz, sollte „irgendwie anders“ und darf aber auch nicht vollständig auf der Strecke bleiben.
  4. Technologie – wir wollen unseren Kunden zeigen : „We eat the food we sell“.

Durch die Rahmenbedingungen Zeit und Aufwände stellten wir uns anschließend die Frage: Was soll auf unserer Website dargestellt werden? Viel ist uns da nicht eingefallen. Inhalte wie Karriere und Produkte kamen für uns nicht in Frage und „hübsch aufbereitete“ Xing Profile und Google Maps für die „Anfahrt“ gab es schon.

Okay, im Sinne von (Ruby on) Rails – „Don’t repeat yourself“ gab es gute Gründe genau diese bestehenden Inhalte von Drittseiten zu nutzen. Wenn man vom „Branding/CI“ einmal absieht gab es auch keinen wirklichen Grund der dagegen sprach.

Soweit so gut, irgendwie muss unseren Besuchern auch kommuniziert werden womit wir uns grundsätzlich beschäftigen und was unsere Schwerpunkte sind. In diesem Zusammenhang kam uns die Grundidee vom Aal Prinzip (Andere arbeiten lassen) in den Sinn. Aktuell fachlich relevante Dinge wollten wir ggf. direkt von der „Quelle“ einbinden. Auch wir beziehen einen Teil unseres Wissens via RSS und Twitter – warum diese Inhalte nicht direkt in unsere Site integrieren? Also baten wir Urheber um Zustimmung Feedkomponente Stand nichts mehr nichts mehr im Wege.

Mit der Technologiewahl erlegten wir uns selbst „nicht ganz optimale“ Anforderungen auf. Insbesondere die Wahl von Alfresco Surf/WCM und Studio (Beta) trieb die Implementierungsaufwände in die Höhe und legte unsere Nerven des Öfteren blank. Aber die gewonnen Erkenntnisse aus der Arbeit mit diesen neuen Alfresco Komponenten sind zukünftig für eine gute Beratung bei Kundenprojekte wichtig.

Meine Affinität zu „Groovy/Grails/Agile Software Development“ bewog uns zu der Überlegung, ob und wenn ja, wie wir zu mindestens eine „Grails Kleinigkeit sinnvoll einbauen“ können.

Über die Rahmenbedingungen Design und Technologie kamen wir zu Javascript/Ajax „Spielereien“ und der Flash Tag-Cloud. Bei der Umsetzung von „irgendwie anders“ entschieden wir uns zum Einen für „unkonventionelle Texte“, zum Anderen für eine „persönliche Note“ durch unsere privaten Fotos von St. Peter Ording.

Am Ende unserer Konzeptionsphase lag das einzige, nicht virtuelle Artefakt – eine Blatt Papier welches den skizzierten Draft einer Seite repräsentierte auf unserem Frühstückstisch. Dies ist heute natürlich nichts revolutionär Neues, aber diesen Anspruch hatten wir auch nie. Nun noch das Thema CI und Style Guide „abfrüstücken“ und der Implementierung unserer Website steht nichts mehr im Wege. Die Randbedingung Zeit führte uns zu den funktionalen und schlichten WordPress Vorlagen. Wir entschieden uns für das Theme „ocean mist“ als Ausgangspunkt für unseren Blog. Der finale Entwurf für das Logo und das Layout der Website kostetet Sandra noch einige Abende Zeit, aber mit dem Ergebnis sind wir heute beide zufrieden.

Implementierung

Wir begannen mit der Evaluation von Software für die einzelnen Bereiche. Im Wesentlichen arbeiteten wir uns durch Massen von Javascript Bibliotheken und Komponenten. Insbesondere im Zusammenspiel mit CSS wären wir ohne Firebug vermutlich wahnsinnig geworden. Aber selbst mit diesem tollen Tool war die Implementierungszeit für die Kompatibilität mit „Minderheiten-Browsern“ nicht unerheblich.

Ein „IFrame Konzept“ wurde nach langem Probieren verworfen weil IFrames einfach zu viele Probleme gemacht haben (z.B. Resizing und Frame-Breaker).

Verglichen mit den Javascript – / CSS Abenteuern war der Alfresco SURF Teil der reinste Spaziergang. WebForms wurden für die redaktionellen Inhalte erstellt und ein paar kleine Erweiterungen für SURF wurden geschrieben. Im Wesentlichen wollten wir die von den WebForms erzeugten XML Daten auf „natürliche“ Art und Weise im Freemarker View behandeln und keine Renditions nutzen. Fairer weise müssen wir sagen, dass wir hier schon Erfahrung mitgebracht haben. Die „blauen Flecken vom Ersten mal“ hatte wir uns bereits in einem anderen Projekt geholt. ;)

Lediglich zwei Dinge gefallen uns aktuell an unserer SURF Lösung noch nicht:

  1. SURF erzeugt HttpSessions – das ist hinsichtlich SEO sicher nicht optimal
  2. User friendly URLs – natürlich kann man custom PageMapper/LinkBuilder implementieren – so komfortabel, einfach und schnell wie Grails UrlMappings ist das aber nicht – bin ich hier zu verwöhnt? ;)

Bei nächster Gelegenheit werden wir diese Themen angehen. Auch wenn Letzteres bei uns kein Problem ist, weil wir ja nur eine Seite haben.

Ein paar kleinere „Problemchen“ gab es auch im Zusammenhang mit Alfresco Web Studio. Angesichts des Beta Stadiums des Produktes haben wir diese erwartet und waren auf einige Stolpersteine vorbereitet. Workarounds haben sich hier meist schnell gefunden, denn nach den Javascript / CSS Abenteuern war Andreas schon fast ein Guru auf diesen Gebiet. ;)

Man sieht es unserer Website wohl nicht an, aber das Ausformulieren der Inhalte hat sehr viel Zeit gekostet. Vor allem, weil wir die wichtigsten Dinge in einer „Seite“ unterkriegen wollten und immer genau auf den Punkt kommen mussten.

Nun ist Contentreich live! Wir haben einen riesigen Meilenstein geschafft. Viele Ideen und Verbesserungen sind bereits in Planung und werden bestimmt auch „bald“ umgesetzt.

Insgesamt sind wir heute „schon“ sehr zufrieden mit dem Ergebnis und hoffen, dass es auch anderen gefällt.

Andreas Steffan
Pragmatic ? Scientist and DevOps Mind @ Contentreich. Believes in Open Source, the Open Web and Linux. Freelancing in DevOps-, Cloud-, Kubernetes, JVM- and Contentland and speaks Clojure, Kotlin, Groovy, Go, Python, JavaScript, Java, Alfresco and WordPress. Built infrastructure before it was cool. ❤️ Emacs.

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